Orgel

Einweihung der Orgel

Einweihungsgottesdienst der neuen Orgel – Klang(T)raum wird Wirklichkeit

Am Sonntag des 3. Advents durften wir einen ganz besonderen Gottesdienst feiern: Zum ersten Mal erklang die neue Orgel in einem Gottesdienst. Schon vor der Kirche empfing der Posaunenchor die Besucher*innen mit festlicher Musik. Drinnen zeigte sich schnell: Dieser Gottesdienst war kein gewöhnlicher. Die Kirche war bis auf den letzten Stuhl gefüllt, selbst auf der Empore wurde es eng – beinahe wie an Heiligabend.

Unter den zahlreichen Gästen waren viele Spender*innen, Orgelbauer Heiko Lorenz mit seinem Team, Architekt Matthias Schmidt, Orgelsachverständiger Klaus Schöbel, Andreas Tech aus der Bauabteilung des Kirchenkreises, André Schlesselmann vom Fundraising, Propst Philip Graffam sowie Wentorfs Bürgermeisterin Kathrin Schöning. Die große Beteiligung machte deutlich: Diese Orgel ist das Ergebnis eines langen gemeinsamen Weges.

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Professor Zerer, dem ehemaligen Orgellehrer unserer Kantorin Karen Haardt. Auf ihren besonderen Wunsch hin ließ er die neue Orgel in all ihren Farben erklingen – mit Georg Muffats Toccata X als Vorspiel, Georg Böhms Partita „Jesu, du bist allzu schöne“ zur Mitte und Johann Sebastian Bachs Präludium und Fuge in G-Dur zum Abschluss. Gemeinsam mit den Adventsliedern aus dem Evangelischen Gesangbuch – „Tochter Zion“, „Die Nacht ist vorgedrungen“, „O Heiland, reiß die Himmel auf“ und „Wie soll ich dich empfangen“ – wurde hörbar, was diese Orgel leisten kann.

Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand die Predigt von Pastorin Ulrike Lenz. Sie begann mit einer Frage, die viele im Raum unmittelbar abholte:
„Wisst ihr noch, liebe Wentorferinnen und Wentorfer, wie alles anfing?“
Erinnerungen an die alte Orgel, an Reparaturversuche, Zweifel, Widerstände und zähe Diskussionen wurden wachgerufen – aber auch an den Mut einiger weniger, die sich trotz allem auf den Weg machten.

Immer wieder kehrte sie zu diesem Rückblick zurück – und verband ihn mit einem zentralen Gedanken: dem Träumen. Der Traum vom „Klang(T)raum“, von einer neuen Orgel für Wentorf, sei kein luftiges Wunschdenken gewesen, sondern eine Kraftquelle.
„Wer nicht träumt, bleibt Gefangener eines Ist-Zustandes, den er nur immer weiter aushalten kann“, sagte sie deutlich. Träume richteten aus, gäben ein Ziel und machten überhaupt erst bereit, sich einzusetzen.

Von dort spannte sie den Bogen zur Bibel und zum Advent. Die Propheten, so Pastorin Ulrike Lenz, seien große Träumer gewesen:
„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“
Diese Träume von Licht, Frieden und Heil seien nicht realitätsfern gewesen, sondern hätten die Welt verändert – bis hin zur Geburt Christi. Auch Maria, Josef, die Hirten und die Weisen seien Träumende gewesen, die auf Engel, Sterne und innere Bilder vertrauten.

Besonders eindrücklich war die Verbindung zur Orgel selbst. Pastorin Ulrike Lenz sagte:
„Es sind die Träumenden, die – während sie auf schwergängigen Tasten und erschreckt von Pfeifenheulern ihr Handwerk verrichten – im Herzen virtuose Tonfolgen hören.“ Ein Satz, in dem sich viele wiederfinden konnten: Orgelbauer, Musiker*innen, Gremienmitglieder, Spender*innen – und eine Gemeinde, die über Jahre hinweg an einer Vision festgehalten hat.

Dabei verschwieg sie nicht die Mühen: Reibungen, Krankheit, Verzögerungen, Planänderungen und Zweifel. Auch der Orgelbau sei, wie jede Geburt, kein schmerzfreier Prozess gewesen. Aber am Ende bleibe das Staunen:
„Der Traum wurde Wirklichkeit.“

Mit Blick auf die neue Orgel sagte sie schließlich:
„Diese Orgel ist schon so etwas wie ein kleines Wunder.“
Nicht, weil sie „die Kirche rettet“, sondern weil sie zeigt, was möglich ist, wenn Menschen gemeinsam träumen, Verantwortung übernehmen und Vertrauen wagen. Die neue Orgel solle nun helfen, „dass Weihnachten werden kann in unseren Herzen und Ohren“ – als Zeugnis für das Licht Christi, das in der Dunkelheit scheint

Durch die Liturgie führte Pastor Mirko Klein. In einer der Fürbitten nahm er die neue Orgel und alle, die sie hören und sehen werden, in den Blick. Diese Worte griff Propst Philip Graffam später in einem Instagram-Post auf und fasste sie eindrücklich zusammen:
„Gott, segne die Ohren, die sie hören!“ Ein kurzer Satz, der die Bitte und Hoffnung dieses Gottesdienstes auf den Punkt brachte: dass die neue Orgel über viele Jahre hinweg Glauben stärkt, Trost spendet und Freude hörbar werden lässt.

Im Anschluss wurde beim Empfang mit Sekt, Kaffee, Kuchen und Orangensaft weitergefeiert. Es gab angeregte Gespräche mit dem Orgelbauer und dem Architekten, und einige nutzten die seltene Gelegenheit, einen Blick ins Innere der Orgel zu werfen.

Der Einweihungsgottesdienst am 3. Advent war mehr als ein musikalisches Ereignis. Er war ein Dankesfest für einen langen Weg – und eine Einladung, weiter zu träumen. Denn, um es mit den Worten der Predigt zu sagen: Es geht nicht ohne den Traum.

Die Predigt von Pastorin Ulrike Lenz zum nachlesen:

Unsere neue Lorenz-Orgel

Nun steht sie da - langersehnt - dank der Hilfe vieler, vieler privater Spender, der Gemeinde Wentorf, der Aktivregion Sachsenwald, des Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg und der Stiftung „Ein Herz für Kinder“. Was für ein Glück haben wir hier in Wentorf - entgegen aller kirchlicher Tendenzen - in der Lage zu sein, ein so wunderbares Instrument speziell für unsere Kirche gestalten und bauen lassen zu können! Aus vielen Gründen - hauptsächlich aber angepasst an die Akustik der Kirche und die Größe der geplanten Orgel - haben wir uns für eine Orgel rein barocker Prägung entschieden, gebaut von einem Spezialisten: Dem Arp Schnitger-Preisträger Heiko Lorenz aus Wilhelmshaven, der im Jahr 2000 die bekannte Werkstatt Führer übernommen und neu geprägt hat.

Ihre barocke Prägung macht unsere neue Orgel zu etwas ganz Besonderem: Ihr Klang lebt von der unterschiedlichen Farbigkeit und speziellen Charakteristik ihrer 22 Register. Zudem klingen bei einer normalen „Mischorgel“ alle Tonarten gleich, nämlich ein bisschen verstimmt, während bei einer Orgel barocker Prägung häufig vorkommende Tonarten blitzsauber klingen - zu Ungunsten anderer, die dafür extrem schräg klingen. Dieser Kontrast sauber/schräg wurde von Komponisten der Barockzeit, wie z.B. Johann Sebastian Bach, „mit einkomponiert“ und bewusst als Ausdrucksmittel eingesetzt. 

Es wird reichlich Gelegenheit geben, auch außerhalb unserer Gottesdienste die besondere Farbigkeit und Ausdruckskraft unserer Orgel zu erleben: Zum Kennen- und Liebenlernen unseres neuen Instruments haben wir ein „Orgeljahr“ geplant, für das wir unter anderem einige bekannte Orgelspezialisten für Alte Musik gewinnen konnten. Bei aller stilistischer Reinheit kann die Orgel kann aber auch „anders“: Es werden auch „populäre Klänge“ und ein Konzert für Kinder zu hören sein, denn es ist uns sehr wichtig, dass auch Wentorfer Kinder die Möglichkeit bekommen, eine Orgel zu erleben.

Seit einigen Monaten schon prägt die Orgel mit ihrer klaren und funktionalen Prospektgestaltung durch den Hamburger Architekten Matthias Schmidt optisch unseren Kirchraum. Nach vielen Wochen rein klanglicher Arbeit an jeder einzelnen ihrer 1352 Pfeifen hat unsere Orgel nun auch ihren ersten akustischen Auftritt: Im Gottesdienst des 3. Advents, dem 14. Dezember um 11 Uhr. Seien Sie dazu herzlich eingeladen - ebenso wie zum anschließendem Empfang, bei dem auch der Orgelbauer Heiko Lorenz zu Wort kommen wird.

Großer Dank gilt dem kirchlichen Orgelbausachverständigen Klaus Schöbel, der uns viele Jahre mit kompetenter Beratung zur Seite stand.

                                                                                                                                                   Karen Haardt

 

Die Disposition der Orgel

Hauptwerk C-g```

Prinzipal       8`

Holpipe         8`

Oktave          4`

Rohrflöte      4`

Quinte          2 2/3`

Oktave          2`

Terz              1 3/5`

Quinte          1 1/3` (Vorabzug aus der Mixtur)

Mixtur 4-fach

Trompete

 

Hinterwerk C-g```

Holzgedackt   8`

Holzflöte         4`

Rohrflöte         4`

Nasat               2 2/3`

Spillflöte          2`

Terz                 1 3/5`

Scharff 3-fach

Dulcian

Bocktremulant

 

Pedal C-f`

Subbass          16`

Holzprinzipal   8`

Choralbass      4´

Posaune           16` (volle Becherlänge!)

 

Koppeln

HiW/HW

HW/P

HiW/P

 

Die Orgel ist nach Bach-Kellner gestimmt. Dies ist eine wohltemperierte (nicht gleichstufige!) Temperatur, die auf einen Zeitgenossen Johann Sebastian Bachs zurückgeht. Sie soll geeignet sein, das gesamte Bach-Werk gut darstellen zu können. Das bedeutet: Jede Tonart hat eine charakteristische Farbigkeit, wobei keine Tonart unerträglich schräg klingt. Diese Stimmung stellt einen Kompromiss dar zwischen einer rein barocken Stimmung (wie mitteltönig, Werckmeister, Kirnberger, ...) und der gleichschwebenden Temperatur, bei der alle Tonarten gleich klingen, nämlich ein bisschen verstimmt. Wir haben uns für diesen Kompromiss entschieden, da die Orgel (wenn alles gut geht) mindestens die nächsten hundert Jahre einen kirchenmusikalischen Alltag bewältigen soll, der nicht nur aus Barockmusik besteht..

                                                                                                                                                     Karen Haardt 

 

"Orgeljahr" 2026

Termine 1. Halbjahr

Im Anschluss an die Konzerte sind Sie herzlich eingeladen zum gemeinsamen Ausklang bei einem Glas Wein oder Wasser!

 

Samstag,10. Januar, 18 Uhr

Jan Ernst, Schwerin, Orgel

Morgenstern

Werke von Buxtehude, Bach, Krebs, Dubois, Rondthaler u.a.

 

Freitag, 6. Februar, 18 Uhr

Sirka Schwartz-Uppendieck, Fürth, Orgel

Michael Herrschel, Nürnberg, Gesang & Texte

Jazz & Gospel

Werke von Gershwin, Bonighton, Riegler und anderen

 

Samstag, 7. März, 18 Uhr

Jan Weinhold, Timmendorfer Strand, Orgel

Goldbergvariationen

Thema mit verschiedenen Variationen von Johann Sebastian Bach

 

Sonntag, 19. April, 18 Uhr

Christian Skobowsky, Ratzeburg, Orgel

„Erhebendes“-  Ein Orgelkonzert in aufsteigenden Tonarten

Werke von Froberger, Marcello, Bach, Mozart, Hindemith und Messiaen

 

Samstag, 9. Mai, 18 Uhr

Michael Georgi, Börnsen, Orgel

„Orgel mal anders“

Filmmusik, Pop & Neues Geistliches Lied, Improvisation

 

Sonntag, 7. Juni, 18 Uhr

Prof. Wolfgang Zerer, Hamburg, Orgel

Abschlusskonzert der Kulturwoche Wentorf